Korcula Geschichte

Überblick

Wichtigste archäologische Fundstätte auf der Insel Korcula ist die Höhle Vela Spila (auch Vela špilja), die 1853 zum ersten Mal erwähnt wird. Sie wird seit Anfang der 1950er Jahre untersucht, zunächst von Marinko Gjivoje, Boris Ilakovac und Vinko Foretić, deren Publikation Grga Novak 1951 veranlasste, die Höhle systematischer anzugehen. Systematische Grabungen begannen allerdings erst 1974. Nach Novaks Tod setzte Božidar Čečuk, ab 1986 zusammen mit Dinko Radić die Arbeiten fort. Bis 2005 wurde der jungpaläolithische Horizont erreicht. Die Schichten 8–1 entsprechen dabei den Epochen Jungpaläolithikum (Epigravettien), Mesolithikum, Früh-, Mittel- Spätneolithikum, Eneolithikum, Frühe Bronzezeit, Späte Bronzezeit.
Damit war die Höhle Vela Spila neben Kopačina auf Brač die älteste Fundstätte auf den zentralen kroatischen Inseln. [1]
Geschichte von Korcula

Griechische Kolonien existierten vom Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. an. Möglicherweise gründeten die Korkyrer von der heute Korfu genannten Insel die Kolonie Kórkyra Mélaina, das ‚Schwarze Korkyra‘, bereits zwischen 590 und 580 v. Chr. Diese Annahme wird durch Funde korinthischer Vasen des 6. Jahrhunderts v. Chr. auf Korčula bestärkt. Der Legende nach sollen die ersten Siedler aus Knidos in Kleinasien gekommen sein, nach einer anderen Überlieferung gründeten gar Trojaner unter Antenor die Kolonie. In einer (möglicherweise) zweiten Welle gründeten Einwohner der Insel Vis die Siedlung Lumbarda. Aus dieser Epoche stammt eine als Pséphisma von Lumbarda bekannte Inschrift aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., die die Grundlage für die Aufteilung des Landes zwischen heimischen Illyrern und zugewanderten Griechen bildete. In den griechischen Poleis wurde ein durch Stimmenmehrheit gefällter Beschluss als Psephisma bezeichnet.
Auf der Tafel finden sich die Namen von 200 griechischen Familienoberhäuptern(?). Entdeckt wurden die Bruchstücke des Monuments ab 1877, seine Bedeutung wurde erst 1898 erkannt; 1967/68 fanden sich weitere Fragmente. Allerdings sind Versuche, in diesem Gebiet eine griechische Siedlung archäologisch nachzuweisen, weitgehend gescheitert, sieht man von Gefäßfragmenten ab. [1]

Während einer Grabungskampagne wurde in den Jahren 2012 bis 2016 eine Reihe von Gräbern bei Blato in der Siedlung Kopila entdeckt. Dabei belegen die Funde, dass die Griechen auf der Insel keineswegs dominierten, sondern, dass Illyrer und Griechen unter Beibehaltung ihrer materiellen Kultur nebeneinander lebten. Die Überreste einer Villa rustica bei Vela Luka lassen sich nur grob in die Zeit vom 2. bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. datieren. Eine römische Kriegsflotte aus Mittelitalien unterwarf 34 v. Chr. die Inseln Melite (Mljet) und Corcira Nigra (Korčula); die Einwohner wurden, zwecks „Ausmerzung der Piraterie“ teils getötet, teils versklavt, die Schiffe beschlagnahmt. Dies geschah im Rahmen einer gezielten Eroberung. So wurde die gesamte Küstenregion und ihr Hinterland nach drei Kriegskampagnen unter Octavian, dem späteren Augustus, in den Jahren 35 bis 33 v. Chr. endgültig römisch. [1]

Allerdings fand noch zu dessen Herrschaft zwischen 6 und 9 n. Chr. der Pannonische Aufstand statt. Nach diesem umfassenden Aufstand, den Tiberius unterdrückte, wurde das Gebiet in Provinzen aufgeteilt. Die Insel Corcira Nigra gehörte zur Provinz Illyricum superius, der späteren Provinz Dalmatia. Eine Reihe ländlicher Villen entstand, die den Kern römischer Landnutzung bildeten. Zugleich wanderten römische Provinzialen ein. Im Hinterland standen bis Mitte des 1. Jahrhunderts zwei Legionen, danach nur noch 2000 Mann Auxiliartruppen. Die Einrichtung von Kolonien sicherte gleichfalls den Küstensaum Dalmatiens.
Die Christianisierung setzte spätestens in der Spätantike ein, in Salona wohl schon im 2. Jahrhundert n. Chr. Von dort herrschten im späten 5. Jahrhundert Marcellinus und sein Neffe Julius Nepos (bis 480 n. Chr.). Im 4./5. Jahrhundert entstand auf der kleinen Insel Majsan eine dem hl. Maximilian geweihte Kirche, die der Insel den Namen gab. [1]
Archäologische Fundstätten

Lumbarda ist ein römischer Fundkomplex an der Fundstätte Sutivan, der auf eine Siedlung des 4. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. zurückgeht. Möglicherweise handelt es sich um eine Art kleinen Bäderkomplex, doch wurden auch Fischfanggeräte, eine Schmiede sowie die Verarbeitung und der Handel mit Olivenöl und Wein nachgewiesen. Weitere archäologische Fundstätten sind die Insel Majsan gegenüber der Inselhauptstadt, Sutvara, 5 km südöstlich gelegen, sowie Lucnjak und Gubavac.
Nach einem kurzen Intermezzo ostgotischer Herrschaft in Dalmatien – 504 n. Chr. kam die Provinz an die Ostgoten unter Theodrich –, kam Dalmatien 535 wieder an Ostrom, nachdem es durch den Heermeister Mundus erobert worden war. Für das 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. ist auf der Insel eine kontinuierliche Besiedlung anhand von Münzen belegbar, darunter eine des byzantinischen Kaisers Phokas († 610). Doch war die Bevölkerung in Dalmatien seit Mitte des 6. Jahrhunderts stark rückläufig, wie in den meisten Regionen des Reiches. Zudem war die oströmische Herrschaft durch Awaren und slawische Gruppen bedroht. [1]
Kroaten (Narentaner), Venedig, Byzanz

In einem komplexen Landnahmeprozess erreichten Südslawen im späten 7., frühen 8. Jahrhundert auch das Festlandsgebiet gegenüber von Korčula. Die Insel, wohl etwas später von Narentanern besiedelt, gehörte zeitweise zum Königreich des Tomislav, der 925 zum König gekrönt wurde. Die Bewohner betätigten sich nicht nur als Bauern und Hirten, sondern auch als Fischer und Piraten. Die Stadt Korčula, in dieser Zeit Krkar genannt, bestand auch noch im 10. Jahrhundert, wenn auch viele Landhäuser verfallen waren. Die Zuwanderer gründeten eigene Dörfer, wie sich an den Namen noch immer erkennen lässt.
Von 997 bis 998 führte Venedig einen ersten erfolgreichen Feldzug gegen die Narentaner durch. Bis 1000 wurden die als Schlupfwinkel für Piraten geltenden Inseln Korčula und Lastovo erobert. Doch bald machte Byzanz, das lange seinen Machtanspruch nicht zur Geltung bringen konnte, seinen Einfluss wieder geltend. Ende des 11. Jahrhunderts schwand wiederum die byzantinische Vormacht, um 1125 begannen die patrizischen Zorzi (Poppone Zorzi) venezianischen Einfluss durchzusetzen. Venedig übernahm die Rolle einer Schutzmacht, der sich die Insel 1129 unterstellte. Die für einige Jahrzehnte noch ein letztes Mal wiederkehrende kaiserliche Vormacht wich 1180/1184 der Oberherrschaft Bélas III., des ungarisch-kroatischen Königs. [1]
Venedigs Einfluss

Doch mit dem Vierten Kreuzzug kehrte ab 1202 Venedig als Vormacht zurück. Es konzentrierte sich dabei auf den Ausbau seines Handelsreiches, in dem Curzola nur eine untergeordnete Rolle spielte. Unter Venedigs Einfluss kam es zudem zu einer starken Verschriftlichung der Herrschaft, dessen Ausdruck das Korčulaner Statut von 1214 ist, das älteste Dalmatiens. Dieses regelte eine Reihe von Rechten und Pflichten, darunter zum Schiffbau, zum Handel, zur bäuerlichen Wirtschaft, aber es enthielt auch Bauvorgaben und solche zum Schutz der Wälder. Die Tatsache, dass Korčula als eine der wenigen im Mittelmeer gelegenen Inseln dichte Wälder aufweist, wird auf diese Schutzmaßnahmen zurückgeführt. Zudem hinterließ die Administration, ausgehend vom Hauptort, zahlreiche Spuren in der Sprache der nicht-venezianischen Bewohner – so ließen sich 183 romanische Begriffe aus der Seefahrt und der Fischerei nachweisen, die bis heute den Dialekt färben, davon stammen allein 164 aus dem Venezianischen. [1]

Am 8. September 1298 wurde nahe der Insel die Seeschlacht bei Curzola zwischen den Flotten Venedigs und Genuas ausgetragen. Dabei geriet Andrea Dandolo in die Gefangenschaft der Genuesen. Doch 1299 kam es mit Genua zu einem Friedensschluss, ebenso wie mit Byzanz im Jahr 1302. In Venedig gelang es einer Gruppe des dortigen Patriziats, sich eine monopolartige Stellung in Politik und vor allem Handel zu erringen, die sich auf die Insel insofern auswirkte, als sich dort eine ähnliche Abgrenzung zwischen den herrschenden Familien und der übrigen Bevölkerung 1387 durchsetzte. Zudem entstand schon im Jahr 1300 ein eigenes Bistum auf der Insel (bis 1828).
Die wirtschaftliche Nutzung der Insel basierte bis weit in die venezianische Zeit hinein auf einer Dreiteilung. Von dieser Dreiteilung war der Doge 1441 in Kenntnis gesetzt worden:
„sumus informati illam insulam per tres partes esse diuisam, unam pro seminationibus, unam pro pasculis animalium et unam pro plantationibus uinearum et ita esse statutum per ordines antiquos“ – Francesco Foscari, der Doge von Venedig wusste also nunmehr, dass ein Drittel der Insel für die Landbebauung, ein weiteres für das Hirtenwesen und schließlich ein Drittel für den Weinbau vorgesehen war. Dies alles sei schon durch alte Statuten bestimmt worden. Da zwar Pfade über die Insel führten, aber keine Magistrale die Orte über die gesamte Länge der Insel hinweg verband, brauchte jedes Dorf einen Seezugang, um am Handel teilhaben zu können. Daher wies Korčula mehrere Dutzend Häfen und Anlandeplätze auf. [1]
Venedig, Ragusa und Ungarn

Venedigs Herrschaft war weniger durch die Osmanen oder Genuesen gefährdet, als vielmehr durch den Streit mit der einflussreichen Familie Šubić. Nach einem von diesen unterstützten Aufstand in Zadar bat der venezianische Comes Giovanni Zorzi im November 1315 um Hilfe gegen Familien, die von der Insel geflohen waren, und die nun als Piraten die Inseln bedrohten. Venedig sah seine Handelswege durch die Anjou bedroht, die sowohl in Süditalien als auch in Ungarn herrschten. So sicherte sich Venedig 1320 die Herrschaft über Rab, es folgten Šibenik und Trogir (1322), Split (1327) und Nin (1329) sowie Cres und Osor (1330/1333). 1345 belagerte der ungarische König Knin, 1345 bis 1346 rebellierte Zadar gegen Venedig. 1348 erreichte die Pest den Adriaraum und 1350 bis 1355 kam es zu einem umfassenden Krieg zwischen Genua und Venedig.
Ab 1420 bestimmten die Venezianer die Geschicke der Insel Korcula bis zum Ende der Republik im Jahr 1797. [1]

Mit dem Ende der Republik Venedig im Jahr 1797 wechselte die Insel mehrfach den Besitzer. Zunächst kam die Insel im Frieden von Campo Formio an Österreich, dann 1806 an Frankreich, wie das Gebiet der gesamten ehemaligen Republik Venedig. Danach kamen die Briten, die Korcula nach dem Wiener Kongress am 19. Juli 1815 den Österreichern übergaben. Die Österreicher förderten die italienische Zuwanderung, so dass im Jahr 1910 auf der Insel 416 Italiener lebten, allerdings fast ausschließlich im Hauptort, der zu dieser Zeit 2.157 Einwohner zählte. Schon 1880 waren von den 1.646 Einwohnern der Stadt allein 472 Italiener.
Der Brockhaus gibt für das Jahr 1890 genau 16.160 Einwohner an; die „Mauleselzucht“ wird als bedeutend angegeben, auch lebte dort noch der Schakal. Um 1900 hatte die Insel bereits 17.377 Einwohner, von denen die meisten in der Gemeinde Curzola (6.485 Einwohner) oder dem Markt Blatta lebten (7.337 Einwohner). Als 1912 das erste Hotel, das De la Ville eröffnet wurde, beschleunigte sich die bereits Ende des 19. Jahrhunderts einsetzende Entwicklung des Tourismus. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erschien der erste Reiseführer. Bis zum Beginn des Krieges landeten zahlreiche Passagierschiffe aus Triest, Rijeka und Venedig im Hafen von Korčula.
1912 verlor das Italienische seinen Status als Rechtssprache. 1925 zählte man nur noch 140 Italiener, von denen nur 41 aus Italien stammten. Nach 1943 blieb fast kein Italiener mehr auf der Insel. 2011 gaben nur noch fünf Bewohner Italienisch als Muttersprache an. [1]

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Curzola am 15. November 1918 zusammen mit seinen Nachbarinseln an Italien (bis zum 12. November 1920), kam dann wieder für zwei Jahrzehnte an das Königreich Jugoslawien. Bereits 1935 kam es zur Bildung einer profaschistischen Regierung in Jugoslawien. Um den Gegensatz zwischen Serben und Kroaten zu entschärfen, wurde 1939 die Kroatische Banschaft gegründet. Während des Zweiten Weltkriegs kam es auch auf Korčula zu Partisanenkämpfen. Durch den deutschen Balkanfeldzug war das Land und damit die Inseln 1941 vollends in Abhängigkeit vom italienisch-faschistischen Regime geraten. In diesem Jahr fielen die Inseln an Italien unter Mussolini. Die Insel wurde vom 6. April 1941 bis zum 13. September 1944 für dreieinhalb Jahre nochmals italienisch. Am 23. Dezember 1943 eroberten Teile der deutschen Wehrmacht die Insel und blieben bis zum Kriegsende. [1]

Nach dem Krieg entstand beim Franziskanerkloster ein Hospital für mehrere Hundert verletzte Partisanen. In den Jahren 1963 bis 1974 fand auf Korčula mit der „Sommerschule“ der Praxis-Gruppe einmal jährlich eine international beachtete unorthodox-marxistische Konferenz statt.
Ähnlich wie in ganz Kroatien, so ging auch auf Korčula die Zahl der Bewohner zurück. Eine Reihe von Kulturelementen, die die Insel seit langer Zeit prägen, ist noch immer Teil der Alltagskultur. Dazu zählt der Dialekt von Korčula, die Schwerttänze (moreška und kumpanija), die Gilden, die bis in das Mittelalter zurückreichen, aber auch überlieferte Gesänge und die Küche der Insel. [1]
Tipps:

Tourist Information Center (TIC) - Korčula
Addresse:
Obala Vinka Paletina
20260 Korčula
Kroatien
Telefon: +385 (0) 20 715 867
Fax: +385 (0) 20 715 866
E-Mail: tzg-korcule@du.t-com.hr
Internet: www.korcula.net
Quellenangabe:

1.: Die Informationen zur Insel Korcula in Kroatien basieren auf dem Artikel Korcula (Stand vom 02.12.2024) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [34 KB]
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Die Fotos aus der Wikimedia Commons "Blick auf die Altstadt von Korcula mit dem großen Gouverneursturm - Autor: Shawabunga" - "Trg Kralja Tomislava, die Treppenbrücke Punat ist der klassische Zugang zur Altstadt - Autor: Falk2" - "Historisches Zentrum der Stadt Korcula und seine unmittelbare Umgebung - Autor: Sopina Ana" - "Weine Pošip und Plavac Mali vom Weingut Blato 1902, Korcula - Autor: Cro-Cop" stehen unter der Creative Commons "Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0)" Lizenz.